Kultur-und Genusscity Berlin
Die Stadt ist nicht gerade eine Schönheit, eher – wie der Schriftsteller Peter Schneider rühmend formulierte – »von einer wohl nicht mehr aufhebbaren Hässlichkeit, aber es ist eine Hässlichkeit von großem Charakter«. Sozusagen sind es die inneren Werte der Stadt, die ihr das besondere Flair und ihre Ausstrahlung verleihen. Kultur als pulsierendes Dauerfestival: Es gibt schier unzählige Museen und Theater, gleich drei Opernhäuser, die weltberühmte Philharmonie und viele andere Konzertsäle, hunderte vielfältige Galerien, quirlige Märkte, wo man auch günstigen Sekt kaufen kann, hippe Strandbars am Ufer der Spree und verrauchte Kiezkneipen, exklusive Gourmet-Restaurants, eine extravagante Club- und Partyszene, die Ihresgleichen in der Welt sucht und – nicht zu vergessen: 62 Seen!
Die Stadt mit dem wohlklingenden Beinamen »Spree- Athen« aus der klassizistischen Stilepoche vibriert wieder im besten Sinne des Wortes, wie zuletzt vielleicht in den legendären 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Berlin zum heftig schlagenden kulturellen Herzen Europas wurde. Damals entstand durch den Zusammenschluss von 8 Städten und 59 Landgemeinden Großberlin mit 3,85 Mio Einwohnern. Wenige Jahrzehnte zuvor, im Reichsgründungsjahr 1871, hatte sich Friedrich Engels in einem Brief aus England ehrlich gefreut, »dass es Berlin, diesem Unglücksnest, endlich gelingt, Weltstadt zu werden.« Die Worte träfen auch auf das heutige Nachwendezeit- Berlin zu, nachdem das »tausendjährig« wähnende
Nazireich nur noch eine traurige Trümmerwüste hinterlassen hatte und die Reichshauptstadt gleich danach politisch und geografisch zur geteilten Provinz degradiert worden war.
Aber schließlich – wie ein altes Sprichwort besagt – ist Berlin nicht, sondern Berlin wird. Eine Stadt in ewiger Mauser, mit vielen temporären und oft spektakulären Provisorien. Doch nicht nur deshalb zählt das wiedervereinte und von der Betonzwinge befreite Berlin heute gewiss zu den aufregendsten und spannendsten Metropolen Europas.
